Nach Apples Anti-Tracking-Initiative: Werber verschieben Budgets von Facebook zu Amazon 

Der Einstieg von Amazon in die digitale Werbung ging bisher vor allem auf Kosten des Marktführers Google, da die Kunden den Suchriesen oft umgehen und direkt auf Amazon nach Produkten suchen. In den meisten großen Märkten, darunter auch Deutschland, ist Amazon inzwischen die wichtigste Inspirationsquelle für die Produktsuche, zeigt der aktuelle Future Shopper Report. Neue Zahlen von ibi Research bestätigen dies für Deutschland: Mit Ausnahme der Kategorien Lebensmittel und Möbel suchen Online-Shopper zuerst bei Amazon nach den Produkten - selbst wenn sie am Ende dort gar nicht kaufen. Auf Amazon läuft also nicht nur 53 Prozent des Online-Handels in Deutschland - über seine Suchmaschine beeinflusst der Gigant das Kaufverhalten weit darüber hinaus.

Jetzt beginnt Amazon auch Werbekunden von Facebook abzuwerben. Jahrelang war Facebook - die Nummer 2 bei den digitalen Anzeigenverkäufen in den USA - weitgehend immun gegen solche Übergriffe, weil Social-Media-Seiten als etwas anderes angesehen wurden als die Suchwerbung. Im Juni führte Apple dann Änderungen am Datenschutz auf iPhones ein, die Facebook-Werbung weniger effektiv machten. Dies veranlasste einige Marken, nach Alternativen zur Werbung auf dem Social-Media-Riesen und seiner Instagram-Einheit zu suchen. Amazon, mit geschätzten 153 Millionen Prime-Abonnenten in den USA, war eine naheliegende Wahl.

Die Verlagerung von Facebook zu Amazon ist erst im Entstehen begriffen, und es ist noch zu früh, um zu beurteilen, wie weit verbreitet das Phänomen ist oder wie dauerhaft es sein wird. Und viele Marken zögern noch, auf Amazon zu verkaufen, weil sie befürchten, den direkten Kontakt zum Kunden zu verlieren. Die New Yorker Marketing-Agentur Belardi Wong, zu deren 300 Kunden der Möbelhersteller Blue Dot und der Bekleidungsverkäufer Bombas gehören, gab jedoch an, dass mehr als 40% ihrer Kunden im Juni einen Rückgang der Leistung ihrer Facebook-Anzeigen meldeten, so dass sie sich nach anderen Optionen umschauten. "Wir beobachten, dass immer mehr unserer Kunden auf Marktplätze wie Amazon ausweichen", sagte Polly Wong, Präsidentin der Agentur. "Immer mehr Kunden verkaufen auf Amazon und haben ein großes Marktplatzgeschäft".

Vanity Planet, ein Kunde von Belardi Wong, der Home-Spa-Produkte verkauft, reduziert sein Facebook-Werbebudget in diesem Jahr um 22 %, was zum Teil auf die Änderungen beim Datenschutz zurückzuführen ist, und verlagert die Hälfte dieses Geldes zu Amazon. "Wir müssen nach Möglichkeiten suchen, unser Geschäft auszubauen", sagte Alex Dastmalchi, der das Unternehmen in Newport Beach, Kalifornien, leitet. "Wir senken unsere Werbeausgaben auf Facebook und der größte Bereich, in dem wir wachsen, ist Amazon."

Amazon hat im vergangenen Jahr in Deutschland deutlich zugelegt. Das Handelsvolumen kletterte um 36 Prozent, vor allem getragen vom boomenden Handel auf dem Marketplace, der inzwischen rund 64 Prozent zum Amazon-Handelsvolumen beiträgt. Das hat natürlich auch das Geschäft mit der Werbung angetrieben: Nach dem Jahresabschluss der Amazon Online Germany, die den Werbeumsatz erfasst, stieg der Umsatz in dieser Sparte um 52 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro. Damit liegt das Wachstum zwar  unter dem Anstieg, den Amazon im globalen Geschäft erzielt hat. Dennoch liegt Amazons Anteil an der Online-Werbung in Deutschland nun schon weit über der 10-Prozent-Marke.

Alle Beiträge
×

Fast fertig…

Wir senden Ihnen nur eine E-Mail. Bitte klicken Sie auf den Link in der E-Mail-Abonnements zu bestätigen!

okay